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Meine Interrailtour

  • loCoMH
  • 14. August 2010 um 23:58
  • loCoMH
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    • 14. August 2010 um 23:58
    • #1

    Liebe Locomotion-Fan-Gemeinde!
    Da ich den vergangenen Monat per Zug durch Europa getourt bin (mit dem Interrailticket) dachte ich kann ich euch einen kleinen Reisebericht nicht vorenthalten!

    [Edit vom 2.4.2011:
    Hier eine Kapitelübersicht, sie wird im Laufe der Zeit vervollständigt:
    Tag 0 - Der Sturm
    Tag 1 - Von Mülheim an der Ruhr nach Mechelen
    Tag 2 - Von Mechelen nach London
    Tag 3 - Vom clink zum Barmy Badger
    Tag 4 - Experiencing London
    Tag 5 - Von London nach Newcastle
    Tag 6 – Von Newcastle nach Edinburgh
    Tag 7 – In den Highlands
    Tag 8 – Von Edinburgh nach Manchester
    Tag 9 – Von Manchester nach Birmingham
    Tag 10 – Von Birmingham nach Paris
    Tag 11 – Von Paris nach Dax
    Tag 12 – Von Dax nach Burgos
    Tag 13 – Von Burgos nach Madrid
    Tag 14 – Estamos en Madrid
    Tag 15 – Barcelona oder Gaudí-Stadt
    Tag 16 – Von Barcelona nach Montpellier
    Tag 17 – Von Montpellier nach Nizza
    Tag 18 – Nixtun in Nizza
    Tag 19 – Von Nizza nach Venedig
    Tag 20 – The Beauty of Venice
    Tag 21 – Von Venedig nach Ljubljana
    Tag 22 – Ljubljana, klein aber fein
    Tag 23 – Von Ljubljana nach Wien
    Tag 24 – Abstecher nach Bratislava
    Tag 25 – Von Wien nach St. Gallen
    Tag 26 – Grüzi, Zürich
    Tag 27 – Von St. Gallen nach Paris
    Tag 28 – Paris, Ville des Rêves
    Tag 29 – Paris, City of Dreams
    Tag 30 – Paris, Stadt der Träume
    Tag 31 – Abenteuer Heimreise oder: Von Paris nach Mülheim an der Ruhr
    Edit-Ende]


    Zusammen mit meinem besten Freund ging es am 13.7. los. Aufgrund des starken Unwetters über Westdeutschland am 12.7. standen wir bereits morgens vor der Abfahrt vor dem ersten größeren Problem - wie kommen wir nach Brüssel? Da wollten wir die erste Nacht verbringen. Wir fuhren zunächst von Mülheim an der Ruhr, unserer Heimatstadt, nach Düsseldorf. Dort wurde uns gesagt, dass bis auf unbestimmte Zeit keine Züge über die Grenze zu den Niederlanden führen. Mein Vater, seines Zeichens Lehrer einer Düsseldorfer Schule, hat uns den unglaublichen Dienst erwiesen, uns bis nach Roermond, Niederlande, zu fahren. Das war hilfreich, denn die Niederländischen Staatsbahnen hatten keine so großen Probleme wie die DB. Über Maastricht ging es also nach Brüssel doch aufgrund unserer Verspätung hatte keine Jugendherberge ein Zimmer mehr frei. So verbrachten wir die erste Nacht im schnuckeligen Mechelen, einer kleinen aber feinen Stadt außerhalb Brüssels.
    Das war aber nur der erste Tag - 30 weitere sollten folgen! In den nächsten Tagen und Wochen werde ich nach und nach einen Reisebericht schreiben - wer mag, einfach hier vorbeischauen und lesen, es gibt sicherlich witzige Geschichtchen zu erzählen! Auch Fotos werden selbstverständlich hochgeladen! Für heute aber noch eine Liste mit sämtlichen Strecken, die wir gefahren sind - wenn Zwischenstationen dabei sind heißt das, dass wir dort ausgestiegen sind und uns die Stadt angeschaut haben!
    13.7.: Mülheim-Brüssel-Mechelen
    14.7.: Brüssel-London
    17.7.: London-York-Newcastle
    18.7.: Newcastle-Edinburgh
    19.7.: Edinburgh-Aberdeen-Inverness-Edinburgh (Highlandtour)
    20.7.: Edinburgh-Manchester-Liverpool-Manchester
    21.7.: Manchester-Birmingham
    22.7.: Birmingham-Paris
    23.7.: Paris-Bordeaux-Dax
    24.7.: Dax-Burgos
    25.7.: Burgos-Madrid
    26.7.-27.7.: Madrid-Barcelona (Nachtzug)
    28.7.: Barcelona-Montpellier
    29.7.: Montpellier-Nizza
    30.7.: Nizza-Monaco-Nizza
    31.7.: Nizza-Venedig
    2.8.: Venedig-Villach-Ljubljana
    4.8.: Ljubljana-Wien
    5.8.: Wien-Bratislava-Wien
    6.8.: Wien-St. Gallen
    7.8.: St. Gallen-Zürich-St. Gallen
    8.8.: St. Gallen-Paris
    12.8.: Paris-Mülheim

    Also wen's interessiert - einfach immer mal reinschauen, wird sicherlich ständig neues hinzukommen!

    Voll da.

    2 Mal editiert, zuletzt von LocoMH (2. April 2011 um 13:25)

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  • Major Kusnezow
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    • 21. August 2010 um 19:38
    • #2

    Kleine Zwischenfrage, was hast denn für die ganzen Fahrten bezahlt?

    :)

    Freiwillige Feuerwehr - Unsere Freizeit für eure Sicherheit

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  • loCoMH
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    • 21. August 2010 um 23:49
    • #3

    Du darfst - das Ticket selbst hat für 1 Monat und alle teilnehmenden Länder 399 € gekostet. Hier übrigens ein Bild mit den Fahrten, die wir gemacht haben:

    Voll da.

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  • Major Kusnezow
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    • 22. August 2010 um 14:09
    • #4

    Für 400€ so weit fahren... Nicht schlecht, die 400€ kann man auch locker mit einer Hin- und Rückfahrt quer durch Deutschland Verbraten. Sehr interessant. Bin schon ganz gespannt auf die Bilder, die ihr so auf der Reise geknippst habt. Meine Tante wäre bei so einer Reise mit wenigstens 1.000 , wenn nicht sogar mit 2.000 Bildern zurück gekehrt...

    :)

    Freiwillige Feuerwehr - Unsere Freizeit für eure Sicherheit

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  • loCoMH
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    • 22. August 2010 um 19:40
    • #5

    Haha, das kommt mir bekannt vor - meine Gastmutter aus Amerika benutzt den Sportmodus und schießt teilweise mit der Fotofunktion Videos :D
    Ich habe allerdings "nur" rund 600 Bilder gemacht plus 200-300 mit dem Handy, die Bilder vom Handy sind eigentlich okay (für Handy!). Wenn ich eine größere Speicherkarte gehabt hätte wären es vermutlich auch mehr geworden. Wobei zwischen Birmingham und Nizza eine Bilderpause ist, wenigstens auf der Kamera, beim Handy auch nicht sehr viele. In der Zeit hatte ich irgendwie meine Kamera nie dabei und mein Handy war die ganze Zeit leer...

    Zu den 400 € noch: Teilweise gab es Zuschläge zu zahlen...vor allem in Frankreich und Spanien mussten wir teilweise ordentlich zulangen. Der TGV ist nur mit Zuschlag zu benutzen und in Spanien sind grundsätzlich alle Fernzüge mit dem festen Zuschlagpreis von 6,75 € (Zuschlag heißt in dem Fall eigentlich Reservierung, dh Plätze sind sicher). Beim TGV ist das nochmal so eine Sache...die Preise variieren je nach Wochentag, Tageszeit, Strecke, etc... so haben wir z.B. von Dünkirchen nach Paris 3 € bezahlt, von Paris nach Bordeaux aber 18 € (schauder, das war ne Frechheit...aber wir mussten nun mal weiter...). Basel nach Paris waren dann 13 Franken, gut 9 €. Insgesamt haben wir doch noch relativ viel für Zuschläge und Reservierungen extra gezahlt, nämlich ziemlich genau 100 €. Wobei manche der Reservierungen schwer nötig waren. Gut investiert waren bspw. die 3,50 € im ÖBB EC von Wien nach Bregenz...

    Voll da.

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  • Speedy
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    • 22. August 2010 um 23:15
    • #6

    Hi,

    also bei solch einer langen Tour müssen ne Menge bilder entstanden sein. Ich bin uach schon gespannt, was du da so alles gutes und vielleicht auch nicht so gutes gesehen hast. ;)

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  • Joshi
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    • 23. August 2010 um 01:09
    • #7

    bitte alles was an Erlebnissen jugendfrei ist ausführlich zu schildern :D

    Freunde von mir haben auch einmal eine Interrailtour gemacht, und die hatten Sachen zu erzählen... :)

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  • Sabrina
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    • 24. August 2010 um 19:22
    • #8

    Über 8.000 Kilometer. Das war ne ganz schön lange Reise. Hast bestimmt ne menge erlebt und ich mich, ebenso wie andere hier, über Bilder freuen. ^^

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  • loCoMH
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    • 25. August 2010 um 23:57
    • #9

    Nun, da einige tatsächlich scheinbar mehr erfahren möchten :D
    Hier die ersten Bilder!

    Der Bahnhof Liège-Guillemins, besagter Wahnsinnsbau des spanischen Architekten Santiago Calatrava!

    Die wunderbare Baureihe 395, der Hitachi, in England!

    Nebst Paris meine absolute Lieblingsstadt: Edinburgh in Schottland

    To be continued...

    Voll da.

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  • Tobias
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    • 26. August 2010 um 21:12
    • #10

    tolle bilder,wie hast du das letzte bild gemacht?

    [/url]

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  • Martin Mundorf
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    • 26. August 2010 um 21:44
    • #11

    wahrscheinlich hat er auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt...

    TUTORIAL für Gleise und Signalstellung HIER

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  • Tobias
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    • 26. August 2010 um 21:46
    • #12

    ne ich wollte wissen ob er auf einem turm oder sowas war weil man ja von oben guckt.

    [/url]

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  • loCoMH
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    • 26. August 2010 um 21:52
    • #13

    Mal davon ab, dass Martin Recht hat (:D) habe ich es tatsächlich von einer Art Turm gemacht. Für 3 Pfund besteigt man das (Walter-)Scott-Monument direkt am Bahnhof Edinburgh-Waverley. Es lohnt sich, sofern man nicht gerade Akro- oder Klaustrophobiker ist (die Wendeltreppe wird zunehmend enger).

    Voll da.

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  • Sabrina
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    • 26. August 2010 um 22:08
    • #14

    Der Bahnhof auf dem ersten Bild ist ja total chick. Die ganze Konstruktion sieht toll aus. Das man sowas mal "fast" live sehen kann? :rolleyes:

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  • Martin Mundorf
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    • 26. August 2010 um 22:23
    • #15

    Das ist Lüttich bzw. Luik bzw. Líege (-Guillemins).

    Von Aachen aus kann man da mit nem Euregioticket für 15,50€ hinfahren (pro Nase am Samstag oder Sonntag) Mit dem Ticket kann man dann auch nach Maastricht - also ne 3-Ländertour machen.
    Sinnigerweise kostet die INTERCITY - Fahrt von Lüttich nach Oostende (Strand!!!) hin und zurück am WE pro Nase nur 20,20€ - das möchte ich auch mal in Deutschland haben.... :rolleyes:

    TUTORIAL für Gleise und Signalstellung HIER

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  • loCoMH
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    • 26. August 2010 um 22:34
    • #16

    Tag 0 – Der Sturm

    Die Geschichte beginnt noch einen Tag vor unserer Reise. Ein ausgewachsener Sturm namens Norina, der die Bäume aus dem Boden riss, sorgte dafür, dass Bahnstrecken im Westen Deutschlands gesperrt werden musste. Am 12. Juli des Jahres 2010 ereignete sich dieses Unwetter, das zur Folge hatte, dass unsere Interrailtour anders als geplant begann.

    Voll da.

    Einmal editiert, zuletzt von LocoMH (2. April 2011 um 13:18)

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  • Speedy
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    • 27. August 2010 um 09:43
    • #17

    Hi,

    also deine geschichte könnte fast nem Roman entstammen. Soll aber nicht heißen, dass du es erfunden hast ;) , sondern eher der Tatsache entsprechen, dass du es so gut hier geschrieben hast.

    Zitat von LocoMH

    Auf dem Weg zur Grand-Place (ich frage mich bis heute, warum Place auf französisch weiblich ist – Vorschläge gerne direkt an mich),

    La Place heißt auf deutsch u. a. "der Platz" oder "die Stelle". Vielleicht kann es damit zusammenhängen. Ich hatte mal französisch, aber das ist schon Jahre her.

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  • loCoMH
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    • 27. August 2010 um 23:43
    • #18

    Danke sehr :) Ich gebe mir sehr viel Mühe es anschaulich und auch etwas witzig zu gestalten denn niemanden interessiert ein Reisebericht à la "Dann fuhren wir dorthin, es war sehr schön. Dann fuhren wir dorthin, das hat uns sehr gut gefallen, auch wenn das Wetter schlecht war." Vielleicht kennt der ein oder andere hier ja Bill Bryson, ein amerikanisch-englischer Autor, der hat ein paar Reisebücher geschrieben. Ich versuche mir ein klein wenig seinen Stil anzugewöhnen. Das Resultat könnt ihr ja hier lesen :) Teil 2 ist hier:

    Tag 2 – von Mechelen nach London

    Tag 2 unserer großen Europatour begann harmlos. Nach einem kurzen Gespräch mit Engländern am Frühstückstisch erfuhren wir noch von unserem Zimmergenossen, dass Mechelen besonders für die Ausbildungsmöglichkeit als Glockenläuter berühmt sei. Ich muss ehrlich gestehen, dass dieser Beruf eine eigene Ausbildung benötigt halte ich für eine absolute Frechheit – wobei ich mir nicht ganz sicher bin, wie richtig die Information diesbezüglich war. Auf jeden Fall erzählte unser neuer Bekannter diese Geschichte mit einer großen Überzeugungskraft und Selbstverständlichkeit, dass man meinen konnte, dass der Beruf des Glöckners in den Niederlanden oder Belgien Traumberuf kleiner Kinder ist wie für uns Lokführer oder Pilot. Da unser Freund nach Lille, Frankreich, musste, und wir am zweiten Tag unsere Reise bis London fortsetzen wollten und dabei über Lille fuhren, nahmen wir den selben Zug. Die Fahrt verlief auch recht ereignislos und in Lille verabschiedeten wir uns und sahen auf die Abfahrtsanzeige um den nächsten Zug – unseren Informationen zufolge hatten wir etwa eine halbe Stunde – Richtung Calais zu nehmen, wo die Fähre uns über den Ärmelkanal bringen sollte. Nirgendwo war unser Zug angeschlagen und wir sahen auf die Abfahrtstabellen. Hier stand ganz normal unser Zug eingetragen, es war Mittwoch, also musste er fahren – aber wir wollten doch sicherheitshalber nachfragen. Der nächste Zug, so sagte man uns, führe erst in zwei Stunden. Ohne weiter nachzuhaken warum der frühere Zug nicht fuhr gingen wir schnurstracks zum anderen Bahnhof in Lille, wo die Hochgeschwindigkeitszüge fuhren. Dieser lag nur ein paar hundert Meter von unserem Ankunftsbahnhof entfernt. Auf dem Weg dorthin gab man uns ein Werbegeschenk: eine Getränkedose, die wir mit Freuden entgegennahmen. Allein, dass ich sie leer getrunken habe, grenzt an ein Wunder. Nach dem ersten Schluck hatte ich schon Angst bei jedem weiteren tot umzufallen. Das zitrusartige Getränk enthielt keine Kohlensäure und war bitter. Es war unbeschreiblich ungenießbar. Mein Freund sah das anders und schlürfte das Zeug grinsend weg, er nahm sogar noch 2 Dosen bei der nächsten Verteilerin.
    Wir waren nun am anderen Bahnhof und wollten schauen, ob es vielleicht irgendwelche Last-Minute-Angebote für Hochgeschwindigkeitszüge – genauer den Eurostar – gen London gäbe. Wir warteten artig an einem Informationsschalter, wo eine aufgeregte Frau asiatischer Herkunft in gebrochenem Französisch mit dem Mann auf der anderen Seite des Glases diskutierte – oder es wenigstens versuchte. Die Frau sah verzweifelt aus aber der Mann schien ihr nicht helfen zu können. Sie drehte sich um und versuchte uns in ihr Problem einzubinden, was wir geschickt durch Vortäuschung der Unkenntnis der französischen Sprache abzuwenden versuchten (mal davon ab, dass die Unkenntnis bei meinem Freund größtenteils trotzdem besteht, wie er immer betont – ich bin davon überzeugt, dass er zurechtkäme, wenn er nur müsste!). Es vergingen weitere Minuten des verzweifelten Flehens der Frau, es ging um eine Fahrt zum Flughafen Brüssel-Charleroi, den ich kannte. Sie schien dringend dorthin zu müssen, aber nicht auf die Hilfe des Mannes angewiesen zu sein. Sie verließ eilig den Schalter und wir waren an der Reihe. Der Mann schickte uns jedoch nur an den Ticketschalter. Wer kann auch ahnen, dass man an einen Ticketschalter gehen muss, um Tickets zu kaufen? Als wir am Ticketschalter ankamen, hatte sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Zustande kam diese durch eine Frau am Schalter. Es war unsere alte Bekannte, die nun mit der Ticketverkäuferin eine Diskussion führte. Wenn ich es richtig verstanden habe, wollte unsere Asiatin nicht verstehen, dass der Flughafen keinen Bahnhof besitzt, sondern sie einen Shuttlebus nehmen muss. Zum Glück war ein weiterer Schalter offen und uns wurde mitgeteilt, dass es keine anderen Verbindungen nach London gab, die sich für uns gelohnt hätten. Leider haben wir nicht erfahren, ob und wie die Frau es zum Flughafen geschafft hat. Vielleicht liest sie das hier ja, dann aber bitte auch melden!
    Uns erwartete von Lille nach Calais der schlechteste Zug auf unserer Reise bis dato, die Sitzen waren starr und hart, es zog durch den ganzen Zug und kalt war es auch. Immer noch wussten wir nicht, warum der erste Zug nicht gefahren war – dem Frankreichkenner könnte bereits aufgefallen sein, was der Grund war, doch wir würden es erst in London erfahren. Von Calais nach Dover nahmen wir die Fähre, die für Interrailer übrigens entgegen der offiziellen Informationen der DB ein paar Prozente Rabatt birgt, dort angekommen war nicht nur das Wetter besser – ich bin ein großer Fan von Großbritannien, umso glücklicher war ich, endlich wieder dort zu sein. Im Bus von der Fähre zum Terminal saß eine englische Frau neben mir, die ein Gespräch mit den Worten „looks like a lovely evening“ begann. Konnte ich englischer begrüßt werden, als mit einem Wort wie „lovely“? Da ich ein Jahr in den USA gelebt habe höre ich es immer gerne, wenn mir gesagt wird, ich hätte einen amerikanischen Akzent (den ich auch pflege, vor allem in England). Die Dame neben mir war mir endgültig sympathisch, als sie nach meiner Antwort auf die Frage woher ich sei („Germany“) feststellte, dass sie mich für einen Amerikaner gehalten habe. Ich beschloss, mitzuzählen, wie oft mir das gesagt wurde. Ich war bei eins.
    Die Strecke Dover – London legten wir mit dem neuesten Zug der britischen Eisenbahnen zurück. Vom japanischen Hersteller Hitachi ist die Baureihe 395 ein Augen- wie Fahrschmaus. In einer guten Stunde waren wir mit diesem hochmodernen Zug in London St. Pancras. Unsere erste Aufgabe war es erneut, eine Jugendherberge aufzutreiben. Wieder waren wir bei der ersten, in die wir kamen, nicht erfolgreich. Wieder sagte man uns, dass alle Jugendherbergen in London ausgebucht seien. Man gab uns jedoch freundlicherweise eine Liste weiterer Hostels, die wir nun der Reihe nach anriefen. Doch als uns bereits vom ersten Hostel gesagt wurde, dass Betten frei seien, waren wir erleichtert und schlugen kurzerhand beim „clink“ zu. Das Gebäude hatte etwas magisches – wohin man ging, es schienen sich immer neue Flure, Türen und Treppen aufzutun. Wir kehrten dreimal zur Rezeption zurück, weil wir uns verlaufen hatten – beim dritten Mal fragten wir dann nach dem Weg zu unserem Zimmer. Wir waren einmal bereits wenige Türen vor unserem Zimmer gewesen. Auf der Suche nach unserem Zimmer fiel mir übrigens ein Zettel auf, der an einer Tür hing – scheinbar die Bar – und auf dem stand, dass am 14.7., also am heutigen Tag, der Bastille Day gefeiert würde. Hier fiel mir auf, warum in Frankreich der Zug nicht gefahren war. Der 14. Juli ist der Nationalfeiertag Frankreichs und wir waren völlig unbewusst an diesem Tag im Land gewesen, natürlich fuhren die Züge nicht regelmäßig. Dieses Rätsel war also gelüftet. Auf unserem Zimmer, welches uns weniger Platz ließ als nötig gewesen wäre, wurden wir von 2 Männern aus Costa Rica begrüßt. Sie machten eine Europareise und waren ursprünglich zu viert gewesen, hatten sich jedcoh aufgeteilt. Da es bereits recht spät war, wollten wir nur noch etwas essen. Die Costa Ricaner boten uns an, wir könnten zusammen etwas essen gehen. Nach längerem Suchen nach dem geeigneten Essen gingen wir in einen nicht ganz koscher wirkenden Chicken-Imbiss-Shop. Wir redeten viel über Costa Rica, die Menschen dort und im Vergleich zu Europäern, über das Klima in Costa Rica (es ist nicht so heiß dort wie wir vermutet hätten) und über die Sicherheit in Mittelamerika. Nachdem ich nicht auf die Währung Costa Ricas kam, gab mir einer der beiden eine 25-Colones-Münze. Er schenkte sie mir und ich hatte 25 Colones bei mir – was vielleicht für ein Gummibärchen im Wert von rund 4 Cent gereicht hätte. Abends fielen wir zufrieden und erneut müde in unsere Betten.

    Voll da.

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  • Sabrina
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    • 29. August 2010 um 17:25
    • #19

    Mich würde ja auch wirklich mal interessieren, ob die asiatische Frau zum Bahnhof gekommen ist oder nicht. Aber ich schätze, darauf wirds wohl nie ne Antwort geben. ^^ Es sei denn, sie ist hier oder auf tt-forums angemeldet. :rolleyes:

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  • Speedy
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    • 11. September 2010 um 18:17
    • #20

    Hi,

    loCoMH
    Geht die "Geschichte" auch noch weiter? Ich würd gern mehr erfahren bzw. lesen. :)

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